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Dialog der Religonen

Christen, Juden und Muslime feiern Advent

Jehoschua Ahrens

Rabbiner Jehoschua Ahrens, Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen

Das Zentrum Oekumene in Frankfurt-Praunheim hatte wieder zu einer multikulturellen und multireligiösen Adventsfeier mit jüdischen, muslimischen und christlichen Gästen eingeladen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand in diesem Jahr die biblische Geschichte von den Sterndeutern, häufig Heilige Drei Könige oder Weise aus dem Morgenland genannt.

Am Montag, den 4. Dezember 2017, feierte das Zentrum Oekumene in Frankfurt-Praunheim wieder zusammen mit Gästen aus christlichen Migrantengemeinden, muslimischen Verbänden, jüdischen Gemeinden sowie andere Dialogpartner des Zentrums eine multikulturelle und multireligiöse Adventsfeier. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand in diesem Jahr die biblische Geschichte von den Sterndeutern, häufig Heilige Drei Könige oder Weise aus dem Morgenland genannt. Stimmungsvoll wurde der Text auf Deutsch, Indonesisch und Twi (Ghana) vorgelesen. 

Jesus: ein Geschenk an die Völker

Rabbiner Jehoschua Ahrens, Landesverband der Jüdischen Gemeinden in Hessen, sprach über die jüdischen Quellen des Textes, den jüdischen Messianismus und Universalismus und die Hinwendung an die (nichtjüdischen) Völker im Kontext der drei Weisen/Könige, auch wieder gemäß der biblischen Quellen. Er nannte Jesus „ ein Geschenk an die Völker, um den Glauben an den Einen Gott Israels in der Welt zu verbreiten.“ Diese Formulierung empfanden viele der Gäste als eine kleine Sensation.

Der Dreiköngsweg: Miteinander suchen, Gemeinsamkeiten finden

Dr. Naime Çakır vom Zentrum für Islamische Studien, merkte in ihrer Ausführung an, dass sie als Muslima gerne gekommen sei, um Jesus zu huldigen und ihm zusammen mit den anwesenden Gästen die Ehre zu erweisen. Ihn als Gottessohn oder als gottgleich anzubeten verstoße allerdings gegen den islamischen Glauben. Solche Unterschiede in den Religionen entlasteten aber nicht vor der  gemeinsamen Verantwortung  für die Welt. Als – wie auch immer – gläubige Menschen seien wir aufgefordert, uns gegen Hunger, Armut und wirtschaftliche Not und Ausbeutung einzusetzen. Das sei auch die Kernbotschaft der Religionen, die sie als Dreikönigsweg  in die Welt senden können.  Auf eine einfache Formel gebracht bedeute die Geschichte der Dreikönige, die sich zum Jesus-Kind aufmachen: Miteinander suchen, Gemeinsamkeiten finden. 

Kniefall der Weisen: Zeichen der Grenzen unserer Vernunft und unseres Verstandes

Für Dr. Volker Jung, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, kommen mit den Weisen aus dem Morgenland Menschen zur Krippe, die die Weisheit und das Wissen der Welt repräsentieren. Weisheit und Wissen dieser Welt sind außerordentlich wertvoll. Und doch sind sie nicht alles. Für Jung steht der Kniefall der Weisen vor der Krippe dafür „dass es nötig ist, die Grenzen unserer Vernunft und unseres Verstandes zu erkennen“.

„Der Glaube an die Bedeutung des Kindes in der Krippe mag uns unterscheiden“, so Volker Jung. Was uns aber wieder zusammenführen könne, sei, dass wir als Menschen alle aus der Kraft und Liebe Gottes leben. Und dass es darum geht, mit diesem Blick aufeinander und füreinander auch miteinander zu leben.

Interreligiöse und interkulturelle Vielfalt

Bei der Adventsfeier im Zentrum Oekumene mit jüdischen und muslimischen Gästen haben weiterhin Vertreterinnen und Vertreter muttersprachlicher Gemeinden aus Indonesien und Ghana und anderer christlicher Konfessionen teilgenommen. Rund 80 Gäste besuchten die Veranstaltung. Musikalisch rahmten die Veranstaltung André Tsirlin am Saxofon, einem der jüngsten akustischen Instrumente der Musikgeschichte und seine Partnerin Hila Ofek an der Harfe, einem der ältesten Instrumente. Und es gibt wohl keine Musik, die das „Jerusalem Duo“ mit diesen Instrumenten nicht spielen könnte.


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