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Leitartikel

Der Advent ist lila

Adventskranz

Adventskranz

... hätten Sie es gewusst?

Den Gemeindebrief halten Sie am Beginn des neuen Kirchenjahres zum 1. Advent in den Händen.

Ab diesem Tag sind für vier Sonntage in den meisten evangelischen Kirchen Altar und Kanzel mit Stoffen in der Farbe Lila geschmückt! Aber wieso gerade lila? In der Regel denken wir bei Advent an ganz andere Dinge!

Eine freundliche Kirchenvorsteherin hat mich schon Anfang November gefragt, ob ich einen Adventskranz im Amtszimmer haben möchte? Als ich erklärte: "Ist nicht nötig!", entgegnete sie: "Schade, denn der sorgt für eine schöne Atmosphäre im Dezember!"

Dieser Satz beschäftigt mich seitdem. Was brauchen wir Menschen im Advent? Als Pfarrer gehört es zu meinen Aufgaben, mir Gedanken genau darüber zu machen, also was seelsorgerlich hilfreich und wichtig ist im letzten Monat des Kalenderjahres.

Traditionelles christliches Brauchtum zu pflegen, gehört sicher dazu! Sind die Ursprünge des Adventskranzes überhaupt christlich oder heidnisch, wie beim Tannenbaum, der einige Wochen später zu seinem kleinen, runden Bruder in viele Wohnungen und Häuser einzieht?

Das Urheberrecht für den Adventskranz liegt beim evangelischen Theologen Johann Hinrich Wichern, später Mitbegründer von Innerer Mission und Diakonie, die bis heute Dienst am Menschen leisten. Um seinen, in großer sozialer Not lebenden, jugendlichen Schützlingen die Wartezeit bis Weihnachten zu verkürzen und zu veranschaulichen, baute er 1839 aus einem alten Wagenrad den ersten Adventskranz mit 20 kleinen und 4 großen Kerzen.

Eine wichtige Botschaft damals lautete also: Weihnachten kommt, aber die Adventszeit ist eben noch eine Zeit des Wartens und Erwartens. Genau deswegen ist der Advent auch lila. Diese Farbe steht traditionell für Fasten-, Buß- und Vorbereitungszeiten im christlichen Leben. Oje, werden jetzt manche vielleicht denken, die jedes Jahr mehr Mühe haben, die sogenannten Weihnachtsfeiern, lange vor Heilig Abend, in Vereinen, Beruf und Freundeskreis passend zu koordinieren. Viele wollen weder auf die Gans im Dezember, noch das Geschäftsessen, noch das allseits beliebte Wichteln (inzwischen so eine Art vorweihnachtliche Geschenkelotterie von allen für alle innerhalb einer bestimmten Gruppe) und vieles mehr verzichten. Da wirkt all das, wofür die Kirchenfarbe Lila steht, fast schon provokativ. Trotz aller moderner Errungenschaften, der kirchliche Advent ist und bleibt lila! Lila, das bieten wir von "Kirchens" sonst nur am Buß- und Bettag und in den siebenlangen Wochen der Passionszeit von Aschermittwoch bis Karsamstag. Also Ereignisse, die im biblischen Zusammenhang dazu einladen, zur Ruhe zu kommen, zu Andacht und Sammlung rufen. Vielleicht ist es ja gut, dass der kirchliche Advent in diesem Sinne lila ist?

Denn mit Blick auf unser Seelenheil in den Tagen des Dezembers sind das doch genau die Erlebnisse und Gefühle, nach denen wir Sehnsucht haben. Geschenke kaufen und basteln, Plätzchen backen und Festmenus vorbereiten, Einladungen verschicken und Reisen planen, Geld spenden und in allen Zimmern für Ordnung sorgen, all das hat seine Berechtigung, aber da ist doch noch mehr, was wir uns"wünschen"!

Und genau darauf verweist uns die Farbe Lila!

Der Advent ist lila - Hurra! - Lila ist religiös die Farbe der Besinnung und des gemeinsamen geistlichen Lebens. Daher auch aus gutem Grund die Farbe des Facettenkreuzes unserer Ev. Kirche in Hessen und Nassau (EKHN).


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